 | Thomas S. mit Bastelarbeiten seiner Kinder. Bild: Toini Lindroos | |
Verzweifelt sitzt Thomas S.* (43) aus Abtwil SG auf seinem Sofa. «Ich weiss nicht mehr weiter», sagt der Nachtarbeiter und schaut sich auf seinem Handy Fotos von seinen drei Kindern an: Sonja (10), Stephan (9) und Claudia (5). Alle drei sollen nach den Sommerferien ins Heim.
25 Jahre war Thomas S. mit der Mutter seiner Kinder zusammen. 15 Jahre davon verheiratet. «Wir hatten es gut miteinander gehabt. Dann fing es an zu kriseln. Wir hatten wüste Streitereien. Und schliesslich machte die Ehe keinen Sinn mehr.»
Seit Oktober ist das Paar offiziell getrennt. Seither lebt Thomas S. in einer kleinen Wohnung nur wenige Hundert Meter von seiner Frau und den Kindern entfernt. Das Paar teilt sich das Sorgerecht. «Jedes zweite Wochenende und am Mittwochnachmittag kommen die Kinder zu mir», sagt der Vater.
Geteiltes Sorgerecht
«Ich fand das eine gute Lösung für alle. Dachte, das klappt. Doch dann kam aus heiterem Himmel der Sozialdienst zu mir und erklärte, die Mutter sei mit den Kindern überfordert und habe Hilfe geholt. Im Klartext: Meine Ex will die Kinder ins Heim geben. Das soll angeblich für die Kleinen am besten sein. Ich war schockiert», sagt Thomas S. «Das ist absurd. Die drei haben doch noch mich.»
Thomas S. steigen die Tränen ins Gesicht. «Ich liebe meine Kinder sehr und will sie zu mir nehmen. Das habe ich auch umgehend angeboten. Doch die Behörden sind überzeugt, dass sich das nicht mit meiner Nachtschichtarbeit vereinbaren lässt.»
Den Lebensunterhalt für die Familie verdient Thomas S. in Gossau SG in der Betriebszentrale von Coop. Seine Schicht beginnt um 19.30 Uhr und dauert bis in die frühen Morgenstunden. Deshalb sucht Thomas S. einen Job, der sich mit der Kinderbetreuung vereinbaren lässt. «Ich würde jede Arbeit annehmen, damit meine Kinder nicht ins Heim müssen.»
Die Mutter ist mit den Kindern überfordert
Angst, dass er vielleicht selber überfordert sein könnte mit Job und Kindern – zumal die Kleinste erst fünf ist – hat er nicht. Für ihn ist klar: «Am besten wäre natürlich, wenn ich eine neue Partnerin kennenlernen würde, die mir hilft.»
Sind die Kinder bei Thomas S. zu Besuch, teilen sie sich ein Zimmer. «Ich weiss, eine grössere Wohnung wäre besser. Vor allem wenn die Kinder ständig bei mir wären.»
Doch Thomas S. ist auch überzeugt: «Alles ist besser als ein Heim. Sind sie erst einmal dort, kommen sie so schnell nicht mehr raus. Ich fürchte, sie kommen dort von der rechten Bahn ab.»
Den Behörden macht Thomas S. Vorwürfe: «Sie schieben Kinder zu schnell ab, anstatt dass sie helfen würden, dass die Kinder bei einem Elternteil aufwachsen könnten.»
Keine Stellungsnahme von Mutter und Sozialbehörde
Der Vater könnte sich auch vorstellen, sich als Hausmann komplett um die Kinderbetreuung zu kümmern. Wenn sich seine Ex eine Arbeit sucht und ihm dann Alimente bezahlt.
«Ich weiss, dass sie einen Job sucht. Sie konnte sich erst letzte Woche sogar vorstellen. Ich verstehe nicht, warum die Behörden diese Variante nicht genauer prüfen», sagt Thomas S.
Gegenüber BLICK wollten weder die Mutter noch die Sozialbehörden Stellung nehmen.
*Name der Redaktion bekannt |