NEUENBURG - Der Neuenburger Staatsrat Frédéric Hainard tritt die Flucht nach vorne an. Er gab öffentlich zu, eine Liebesbeziehung zu einer Mitarbeiterin zu unterhalten. Die Frau ist in mutmassliche Fälle von Amtsmissbrauch verwickelt, die Hainard vorgeworfen werden.
Der Neuenburger Grosse Rat hatte am Dienstag mit 102 zu 5 Stimmen eine Parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) eingesetzt. Diese soll bis im Oktober einen Bericht zu mehreren Fällen vorlegen, in denen dem 34-jährigen verheirateten Jungpolitiker und Vater von zwei Kindern Amtsmissbrauch vorgeworfen wird.
Die PUK soll auch die Umstände untersuchen, die zur Anstellung seiner Freundin im Wirtschaftsdepartement geführt haben. Hainard hielt in seiner Erklärung gegenüber dem Lokalfernsehen «Canal Alpha» fest, er habe sich in die Frau verliebt, bevor diese in seinem Departement angestellt worden sei.
Er habe seine familiäre Situation regeln wollen, bevor er sich öffentlich äussere, sagte Hainard weiter. Er wolle sich friedlich von seiner Familie trennen und wünsche, dass seine Kinder und deren Mutter in Frieden gelassen werden.
Hintergrund der «Affäre Hainard» ist der politische Machtwechsel in Neuenburg. Vor einem Jahr konnte Linksgrün die Mehrheit im Parlament verteidigen, nicht aber jene in der Regierung.
Der neu gewählte Hainard leitete sogleich Reformen im Wirtschaftsdepartement ein. Insbesondere verschob er den Akzent auf die Missbrauchsbekämpfung, während sein Vorgänger von der SP noch auf Integration setzte.
Hainard soll sich bei der Vormundschaftsbehörde sowie beim Arbeitsinspektorat, wo seine Freundin arbeitete, zu stark eingemischt haben. Die Aufsicht über das Amt liegt inzwischen bei Staatsrat Philippe Gnaegi (FDP). |