Auch mehr als eine Woche nach dem tragischen Tod ihrer Mitschülerin Swera S. sind die Jugendlichen im Schulhaus Riedli aufgewühlt; am 10. Mai hatte der 51-Jährige Vater seine Tochter in ihrer Wohnung in Höngg mit einer Axt erschlagen. Nach dem Schock über die unfassbare Tat macht sich im Umfeld des 16-jährigen Opfers nun Wut und Frust über die Behörden und die Kriseninterventionsstelle «Schlupfhuus» breit.
«Die Polizei und die Sozialstellen wussten, dass es in der Familie grosse Probleme gab. Und haben trotzdem nicht richtig reagiert», sagt ein Schüler des Riedtli-Schulhauses gegenüber Tagesanzeiger.ch. Und ein anderer sagt, seiner Schwester habe Swera erzählt, ihr Vater drohe ihr mit dem Tod.
Gefährungsmeldung der Schule
Martin Naef, Sprecher der Zürcher Vormundschaftsbehörde, sagt gegenüber der Boulevard-Zeitung «Blick», man habe vom Schulhaus Riedtli eine sogenannte «Gefährdungsmeldung» erhalten. Offenbar war Swera S. bereits lange vor der Tat geschlagen worden. Die blauen Flecken sind damals auch in der Schule aufgefallen. Deshalb kam es zu der Meldung an die Behörden.
Schwer Vorwürfe gegenüber den Behörden erhebt der 18-jährige Freund von Swera. Sie sei beim «Schlupfhuus» abgeblitzt und von der Polizei zu wenig ernst genommen worden, sagte er gegenüber dem «Blick». Beide Stellen weisen die Vorwürfe jedoch entschieden zurück. Offenbar war weder für das «Schlupfhuus» noch die Polizei eine akute Gefahr erkennbar. Als die Eltern ihre Tochter nach einem Zigaretten-Diebstahl auf dem Polizeiposten abholten, umarmte der Vater Swera - so die Darstellung der Behörden.
Soziale Dienste sahen keine Lebensgefahr
Die Soziale Dienste von Zürich ist sich ebenfalls keiner Schuld bewusst. Einerseits hatte ein Familienbegleiter zweimal in der Woche Kontakt mit den Eltern und Kinder aus Pakistan. Und der Vater war zuvor nicht als gewalttätig aufgefallen – trotz der Meldung der Schule. Jedoch hatte die Vormundschaftsbehörde deshalb bereits 2007 einen Beistand für die Familie eingerichtet.
Ein Nachbar, der über der Wohnung der Familie S. in Höngg wohnt, bestätigt die Sicht der Behörden. Streitigkeiten innerhalb der Familie habe es zwar gegeben, doch aussergewöhnlich oder gar ein Thema im Quartier sei das nicht gewesen. |