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09. März 2010

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St.Galler Tagblatt
Von Radio FM1
Schulheim Wiesen: Vorfälle bestätigt
HERISAU. Die Stiftung «Gott hilft», Betreiberin des Schulheims Wiesen in Herisau, bestätigt erstmals, dass es im Heim zu Vorfällen gekommen ist. Die Vorwürfe reichen von Inkompetenz bis zu sexuellem Missbrauch unter Heimkindern.
Trügerische Idylle: Das Schulheim Wiesen.
Bild: Urs Bucher

Werner Haller, Mitglied des Stiftungsrates von «Gott hilft», wies bei einem Gespräch mit dem «Tagblatt» am Montag die Missbrauchsvorwürfe noch als falsch zurück. Heute aber tönt die Sache anders. Gegenüber Radio FM1 gibt Haller indirekt zu, dass sich im christlichen Schulheim zu Vorfällen gekommen sei.
«Nichts totgeschwiegen»

Allerdings könne er aus Gründen des Datenschutzes keine genauere Aussage machen, sagte Haller weiter. Die Fälle aber seien «professionell angegangen» worden, totgeschwiegen habe man nichts. Die Behörden seien informiert gewesen, der Kontakt mit Opferhilfestellen sei gesucht worden. Gemäss Haller wurde nichts vertuscht und auch nichts totgeschwiegen.

Ein-Mann-Organisation erhebt Vorwürfe

Just dies hatte am Montag die Organisation «Kinder ohne Rechte» behauptet. Der Thurgauer Michael Handel, einziges Mitglied von «Kinder ohne Rechte», hatte in einem Rundschreiben schwere Vorwürfe gegen die Leitung des Schulheims Wiesen und die Stiftung «Gott hilft» erhoben. Handel schreibt von sexuellen Übergriffen zwischen den Schulkindern, Schlägen und harter Arbeit. Die Vorwürfe stammen angeblich von ehemaligen Heiminsassen, die Handel in seinem Rundschreiben anonym zitiert.

«Gott hilft» erwägt Anzeige

Bei der Stiftung «Gott hilft» mit Sitz in Zizers überlegt man, wegen der Anschuldigungen von Handels «Kinder ohne Rechte» die Justiz einzuschalten. Die Situation werde derzeit mit einem Juristen geklärt, sagte Stiftungsratsmitglied Werner Haller gegenüber Radio FM1.

Kanton schaltet sich ein

Auch der Kanton Appenzell Ausserrhoden hat sich mittlerweile eingeschaltet. Walter Klauser, Leiter des Amts für Volksschule und Sport, versichert, der Sache «selbstverständlich» nachzugehen. Der Kanton suche dafür das Gespräch mit der Heimleitung und mit Handel von «Kinder ohne Rechte». (pd/sg)

Ausserrhoden, der Heimkanton

Appenzell Ausserrhoden gilt als der Heimkanton der Schweiz. Nirgendwo sonst gibt es hierzulande ein so dichtes Netz an Alters-, Pflege- und anderen Heimen. Bekannte Institutionen sind das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen, das Rehabilitations-Zentrum Lutzenberg für Suchtkranke und die Stiftung Waldheim, die ihren Häusern in Teufen, Rehetobel und Walzenhausen 170 Bewohnerinnen und Bewohner aus 17 Kantonen mit geistiger Behinderung beheimatet. Die Heime sind auch für den Wirtschaftsstandort Appenzell Ausserrhoden von Bedeutung. Sie sorgen beim örtlichen Gewerbe für Umsatz. Sei es durch Bauinvestitionen oder durch den Bezug von Lebensmitteln. Zudem beschäftigen sie dutzende Mitarbeitende und sind auch als Ausbildungsstätten wichtig. Sie bieten eine breite Berufspalette an, die von der KV-, über die Kochlehre bis hin zur Fachhochschulausbildung reicht.
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