 | | Martin J. nimmt pädophile Sexualverbrecher in Schutz. | |
Die Homepage der katholischen Kirche Murg am Walensee und die Pädophilen-Webseite www.tinjo.ch sind ähnlich gestaltet.
Kein Zufall. Beim Verfasser der Seiten handelt es sich auch um dieselbe Person. Dorf-Goldschmied Martin J.* (66).
Seit neuestem auch Kirchenverwaltungsrat, Aktuar und zuständig für die Webseite der Murger Pfarrei St.Johannes. Darin führt er nicht nur durch Kirchenanlässe, sondern auch durch die «Kostbarkeiten der Pfarrkirche».
Weniger christlich geht es auf seiner eigenen Homepage zu. Dort versteckt sich der Fromme jedoch hinter dem Pseudonym «Tinjo».
So anonymisiert nimmt Martin J. kein Blatt vor den Mund: «Hier schreibt ein lebenserfahrener ‹Pädophiler›, wie er sich in seiner Umwelt zurecht gefunden hat (...).»
Seitenweise verteidigt er die Gefühlswelt der Pädophilen.
Und wehe dem Medium, das sich erdreistet, über pädophile Sexualverbrecher zu schreiben. Als BLICK über den Prozess eines Pädophilen berichtet, nachdem dieser erneut mehr als 20 Buben missbraucht hat, giftelt Tinjo auf seiner Homepage.
Es stelle sich die Frage, ob es sich bei den «Opfern» um Strichjungen gehandelt habe. Und: «Sind sie schwul ‹geworden› (wenn sie es nicht schon waren...?).» So werden Opfer zu Tätern gemacht.
Der Fall Beat Meier (62) – einer der schlimmsten Bubenschänder der Schweiz – ist für Tinjo ein Justizirrtum. Mit Gesinnungsgenossen setzt sich der Pädophile unbeirrt für dessen Freilassung ein.
Dass auch das Bundesgericht die Verwahrung Meiers für rechtens hält, interessiert Martin J. nicht. Meier hatte jahrelang seine eigenen Stiefsöhne missbraucht.
Murgs Kirchenratspräsident Urs Lachenmeier hat kein Problem, dass Martin J. bekennender Pädophiler ist. «Ich wusste, dass er zu seiner Veranlagung steht.» Er habe aber Verständnis für kritische Fragen.
Weshalb hat er dann die Bevölkerung vor der Wahl nicht informiert? Lachenmeier sagt lapidar: «Martin J. hat sich nichts zuschulden kommen lassen.»
Sabine Rüthemann, Informationsbeauftragte des Bistums St.Gallen, scheint über diese Sichtweise nicht begeistert: «Menschen mit pädophilen Neigungen benötigen therapeutische und seelsorgerische Begleitung. Unabhängig davon, ob sie sich pädophiler Straftaten schuldig gemacht haben oder nicht.»
Zumindest seelsorgerische Begleitung könnte Martin J. ja bei der Kirche bekommen. Er selber will sich dazu nicht äussern.
*Name der Redaktion bekannt |